Immerhin fährt es

Bei mir steht ein Umzug an. Eigentlich viel mehr als das. Mein Auszug. Raus aus dem Elternhaus. Endlich.

Ich werde in meine neue Wohnung nicht viel von Zuhause mitnehmen. Alles raus. Alles neu. Nur meine Lieblingskleidungsstücke, einige Fotos, meinen Laptop und mein Bügeleisen werde ich einpacken. (Ja, ich habe ein eigenes Bügeleisen –eigentlich sogar zwei: Ein Reisebügeleisen für den Urlaub habe ich auch. Ich hasse Falten).

Ich habe richtig Bock auf was Neues, auch wenn ich manche Dinge ungern zurücklasse. Angefangen bei meiner Katze. Mein schwarzer Kater ist seit Jahren immer an meiner Seite und ich werde ihn vermissen. Genauso wie die Einbaukaffeemaschine in der Küche. In meiner Studentenwohnung werde ich dafür weder den Platz noch das Geld haben. Und mir wird mein Stammtisch fehlen: Jeden Sonntag treffen wir uns in unserer kultigen Lieblingskneipe, wo auf einer Leinwand der Tatort ausgestrahlt wird. Public-Viewing im Rentnerstyle.

Zu den Dingen die ich mir schon seit Längerem zulegen möchte, gehört neben einem großen Fernseher und einem King-Size-Bett, auch ein neues Auto. Das ist aber ziemlich teuer und ich möchte mein lang erarbeitetes und gespartes Geld nicht für etwas ausgeben, was so schnell an Wert verliert. Obwohl ich absoluter Autofan bin, ist das nicht meine oberste Priorität. Den Traum für ein neues, schnelleres, schöneres -und ja- auch prestigeträchtigeres Auto habe ich schon lange. Aber da kommt der Schwabe in mir durch. Meine bisherigen drei Autos haben zusammen nicht mehr als 1.200 Euro gekostet. Dementsprechend sahen sie aus und so haben sie sich auch gefahren. Der Opel, den ich im Moment mein Eigen nennen darf, ist aber das bisher zuverlässigste Auto. Rostet kaum, sieht noch ok aus, ist einigermaßen sicher und nicht so langsam, dass man ein Verkehrshindernis ist. Ich habe deshalb beschlossen mich mit ihm besser anzufreunden und wollte lernen, ihn zu genießen, statt ihn nur als Mittel zum Zweck zu sehen.

Jedenfalls, habe ich mich deshalb in letzter Zeit öfter Mal in mein Auto gesetzt und bin rumgefahren. Nach Feierabend nicht direkt nach Hause, sondern weitergefahren. Oder Mal in die andere Richtung. Der Sonne hinterher (…Ey joh, was geht?) und gute Musik gehört. Das tut richtig gut. Als Hobby macht sich das im Lebenslauf zwar nicht so geil, aber vielleicht ist dieses Verlangen nach der Straße ja auch nur eine vorübergehende Laune, bis ich dann tatsächlich happy mit meiner Rostlaube bin?

Es geht aber auch nicht nur um das Fahren. Ich sitze gern auf den gepolsterten und beheizten Sitzen (fragt mich nicht, warum man 1998 ein Auto kauft und Sitzheizung und Lederausstattung auf der Optionsliste ankreuzt, aber keine Klimaanlage). Ich mag sogar das Geräusch des Windes bei offenen Fenstern mit 100 Sachen auf der Landstraße, obwohl viele da ja die Krise kriegen. Und irgendwie fühlt man auch die Musik beim Autofahren eher, als daheim auf der Couch oder im Bett. Und wenn wieder alles wirklich geöffnet hat, freu ich mich schon auf einen Eisbecher in der nächsten Altstadt. Und auf ein Bier am Baggersee.

Neugierig bin ich auch in meinen neuen Wohnort gefahren und habe mir die Stadt angeschaut und die Umgebung. Das ist zwar nicht weit weg von meiner derzeitigen Adresse, aber wie oft besucht man schon den Nachbarlandkreis? Kannte mich da also null aus. Und ich muss sagen, dass die Zweifel, die ich habe, weil die neue Stadt ja auch nur eine Kleinstadt ist, geschrumpft sind. In meinem Auto, wo ich mich mittlerweile gut aufgehoben fühlte, hab ich mich richtig gefreut, auf Erkundungstour zu gehen. Ich habe etwas Trost gefunden, und dabei war es egal, dass ich in meinem popligen Opel saß und nicht in einem Premiumwagen.

Selbst wenn die Ängste nicht weg sind, bin ich wenigstens nicht mehr so traurig, dass ich meine Heimat nicht ganz hinter mir lassen werde. Eine Großstadt wäre mir zum Studieren zwar lieber gewesen, aber die Miete würde mein Erspartes schneller auffressen, als ich meinen Bachelor in der Hand hätte und meine Eltern wollen mich finanziell nicht unterstützen. So komme ich immerhin raus aus dem bekannten Zuhause und sehe mal was Neues. Neue Gesichter, neue Geschichten.

Und wenn mir alles zu viel wird, setze ich mich in meine Mühle und gurke los. Irgendwohin. Ein bisschen lost, aber mit einem Grinsen im Gesicht.