Freunde bleiben. Eigentlich.

Mountains_US2019

Wir warn vier Jahre zusamm. Keine Ewigkeit, aber, gerade in der „Schwulen Welt“ schon ein bisschen eine Besonderheit, denke ich. Schwule Welt – klingt irgendwie fremd. Vielleicht weil ich lange in dem Glauben, Hetero zu sein, aufgewachsen bin. Vielleicht wegen meinem Wohnort. Oder dem Internat.

Ich war sein erster Freund, er mein zweiter – aber soweit ich das heut beurteilen kann, war er für mich das, was man gerne die große Liebe nennt. Gibt’s die? Ich dachte, ja – ich denke, nein. Vielleicht ändert sich das ja wieder.

<< Ich dachte ja – ich denke Nein >>

Waren verlobt, dann hats irgendwann nicht mehr gepasst – wollten es uns ne Weile nicht eingestehn, doch dann die Trennung. 3 Monate Kündigungsfrist, kurze Zeit Abstand, dann wieder Sex. Schließlich eine eigene Wohnung. Ich wollte mich grundsätzlich weiterentwickeln, also neuer Job. Wir sehen uns immer noch, sind jetzt nur Freunde.

Wobei, das hat ja noch nie so richtig geklappt. Letztens hat er es mal „Freundschaft plus“ genannt. Kann man das? So eine richtige Pause hatten wir eigentlich nie. Sexualpartner auch wenig andere – man hat ja schon irgendwie gelernt, was dem anderen gefällt. Ich finde ihn attraktiv. Und ich schau wohl auch nicht schlecht aus. Ich bin vielleicht ein wenig rationaler als andere. Manchmal vielleicht zu rational.

Kann man Liebe Trennen?

Eigentlich sind die Fronten ja geklärt… „eigentlich“. Und „Fronten“. Manchmal schon spannend, wie sich unsere Sprache entwickelt hat. Wie Schnittstelle – da find ich „Interface“ viel treffender… aber ich schweife ab. Eigentlich ist er jetzt mein bester Freund. Und eigentlich stellt sich vermutlich jeder, der uns kennt, die Frage, ob das noch trennbar ist. Und doch – für mich ist er tatsächlich „nur“ einer der wichtigsten Menschen auf dieser Welt – aber eben nicht mein Partner.

Ich mach jetzt erstmal Karriere, denk ich mir – manchmal. Ungefähr genau so oft denke ich mir, dass das was wir aneinander haben, doch eigentlich sehr erfüllend ist… eigentlich. Aber nach wenigen, innerlichen Debatten und Argumentationsketten ist der Gedanke kleinrationalisiert – und ab in die dafür vorgesehene Schublade. Tuts weh? Nö. Sollte es? Vielleicht. Vielleicht merk ichs ja auch bloss nicht. Ist ja nichts rationales, also nicht wichtig, versuche ich zu glauben. Allerdings… eigentlich sollte ich auch schon lange schlafen – und doch sitz ich mitten in der Nacht auf dem Balkon, trinke Gin… und schreibe.