Erfolg ist kein Glück

Letztens hab ich Freunde auf dem Land besucht. Irgendwann abends, ich bin wahnsinnig in der Ruhe hängen geblieben – fingen wir an, uns über Geld zu unterhalten. Aber nicht so, wie man das vermutlich sonst macht. Wir haben uns die Frage gestellt, wie – nicht „ob“, sondern „wie“ – eine Welt ohne Geld ausschaun könnte.

Ohne Geld? Geht nicht. Würde ich instinktiv auch sagen. Aber, je tiefer ich mich hineindenke – klar, es klingt erstmal unmöglich – finde ich keine unüberwindbaren Hürden. Ja, es braucht ordentliche Bildung, soziale Systeme, kontinentalübergreifend – und vermutlich mehrere Generationen. Aber warum sollte es nicht gehen? Es ging ja schonmal. Nun ist Geld nichts schlechtes. Aber ist es richtig, dem soviel Wert beizumessen? Darf Geld über das Leben von Menschen bestimmen? Nein. Würde sich Gewalt durch die Abschaffung von Geld ebenfalls beenden lassen? Nicht aktuell. Aber wenn es das Ziel wäre? Und damit zurück zum Anfang – was ist das Ziel?

Der Weg ist das Ziel

Ich hab die Welt bereist, stand auf und vor großen Bühnen, Solist, Studium, Consulting, Führungskraft. Aber was ist das Ziel? Warum mache ich das? Warum lasse ich meine Freunde warten, weil ich um 22:10 ein berufliches Telefonat führen will?

Ich wollte nie ein Teil dieser, zu großen Teilen unfairen, Wirtschaftswelt sein. Und doch bin ich seit meinem Abi das Paradebeispiel für jemanden, der gegen meine Überzeugungen steht. Als ich in der Beratung 60-100h/Woche gearbeitet habe, dachte ich mir nur: jetzt Kohle machen, später das Leben geniessen. Jetzt seh ich das anders und mache trotzdem weiter – und habe Spaß daran. Trotzdem bilde ich mir ein, meine Überzeugung wäre immernoch die, des naiven blonden Oberstuflers. Was ist das Ziel? Geld vermutlich nicht. Meine Wohnung ist übertrieben groß, ich fahre nur BMW (wo bleiben eure H2-Autos….) – aber glücklich macht das nicht – oder wenn dann, nur kurz.

Was ist Erfolg?

Erfolg – wieder so ein Wort. Was ist Erfolg? Das Wort zumindest hieß ursprünglich „der nächste sein“ oder „sich nach jemandem richten“. Daran gemessen, mindert sich der Erfolg mit jeder Karrierestufe. Ich muss, zumindest in meiner Subsidiary mich nach niemandem richten – „der nächste sein“ passt da schon besser, aber meinen Anspruch sehe ich darin auch nicht. Ich möchte der Erste sein – nicht der nächste. Und angenommen, das wäre nun Erfolg – Da passt die Kontra-K Definition schon sehr gut. Erfolg besteht in unserer Gesellschaft häufig aus Blut, Tränen und Schweiß. Erfolg ist kein Glück. Das Ziel sollte wahrscheinlich das Glück sein. Sollte sein, glücklich zu sein.

Aber geht das? Wie geht das? Geht das, trotz Erfolg? Geht das nur mit Erfolg? Ich dachte und denke regelmäßig, ich wüsste die Antwort. Und doch fahre ich jeden Morgen wieder ins Büro, bleibe viel zu lange, führe nachts noch Gespräche und rechtfertige mich dann auch noch vor Freunden, warum das ja alles wichtig für Erfolg sei.

Erfolg ist kein Glück, sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen.