Das erste Mal ist komisch

Wenn du mit jemandem darüber redest, dass du noch keinen Sex hattest, werden dir viele sagen: „Irgendwann hast du welchen.“ Was dir niemand sagt ist wie es ist. Außer du fragst nach, wird dir nicht gesagt was du zu erwarten hast. Selbst, wenn du nachfragst, werden dich viele verschonen und sagen, dass es ganz okay war, es besser wird usw…

Aber in Wahrheit kann man niemandem sagen, wie Sex wird. Sex ist Sex. Das habe ich vor einer Woche aus eigener Hand erfahren. Es fing an mit einem gemütlichen Abend vor der Konsole. Dabei wurde lange gekuschelt, weiter gezockt und irgendwann kam es zum Kuss. Naja, zu sehr vielen Küssen eher gesagt. Ich kam in Stimmung, er war es bereits.

Es hat nicht lange gedauert bis ich mir Gedanken gemacht habe. Was, wenn ich es nicht bringe? Wird es ihm gefallen? Ich hoffe, dass ich nichts falsch mache!

Genau das war mein Fehler. Ich hatte zu viel Angst, nicht vor dem Sex, sondern davor dass ich es versaue, etwas falsch mache. Mit jeder Sekunde fühlte es sich komischer an, meine Stimmung wurde von meiner Panik zerfressen und ich brachte es tatsächlich nicht. Adrenalin verhindert, dass das Blut schnell genug durch den Körper kann. Das wurde mir zum Verhängnis. Er hing schlaff, mein Gegenüber bereit dass ich vorstoße. Das ging nicht. Was ist dann passiert? Mehr Panik. Gedanken wie: „Ich schaffe das nicht“, „Was soll ich tun“, „Ich mache gerade die Stimmung kaputt“, waren nicht hilfreich.

Irgendwie hab ich es am Ende doch noch halbwegs geschafft, dass es zum Sex kam. Mir ging es schlecht, er hatte keinen Spaß, es war alles ein Disaster. Zusätzlich hab ich ihm angemerkt, dass er erwartete, dass ich weiß was ich tue und die Schritte gehe. Dass ich den ersten Zug mache, dabei war das alles neu für mich.

Natürlich hab ich danach angefangen mich zu belesen. Viele Menschen haben wohl Probleme damit, beim Sex aufgeregt zu sein. Es gibt Atemtechniken, Methoden und Tipps wie man das verhindern oder zumindest weniger schlimm erscheinen lassen kann, aber im Eifer des Gefechts, wenn man sowieso nicht klar denken kann, kann man nur hoffen dass der Gegenüber nicht irgendwann die Lust verliert.

Aber genau das sollte man nicht hoffen. Solche Gedanken führen dazu, dass es beim nächsten Mal nicht besser wird. Die Atemtechniken sind tatsächlich hilfreich um den Puls und das Stresslevel zu senken. Mir wurde von einem guten Freund gesagt, man solle beim Sex nicht selbstlos sein. Man sollte etwas egoistisch sein und schauen dass man Spaß hat. Dadurch hat der andere auch Spaß. Wenn beide am Ende Spaß haben, dann war der Sex toll. Ohne dass man sich dabei Gedanken machen muss, worauf man achten sollte oder was schiefgehen könnte. Falls man doch panisch wird, sollte man es offen ansprechen. Ehrlichkeit ist das beste Hausmittel gegen Angst. Sich es selber einzugestehen, wie man sich fühlt, hilft genauso.

Die Gelegenheit die Tipps auszuprobieren hatte ich noch nicht. Der, mit dem ich im Bett war, ist nicht der richtige für mich um Sex zu haben. Das habe ich an dem Tag gemerkt und wir sind trotzdem Freunde. Sollte es also nicht gut laufen im Bett, muss man nicht einmal selber Schuld sein, sondern man könnte einfach die falsche Person dafür erwischt haben. Wenn es dann mal richtig schief läuft, kann man im größten Notfall immer noch die Notbremse ziehen. Schließlich sollten beide Spaß haben. Ist das nicht der Fall, dann zwingt euch nicht dazu aus Respekt vor dem anderen weiterzumachen.

Und wenn der Sex mal nicht gut oder komisch ist, dann war es eine Erfahrung aus der man lernt. Ich hab an dem Tag einiges gelernt, aber vor allem: Sex ist halt einfach Sex.