100 Tage Kurzarbeit

Wie lebt es sich nach 100 Tagen Kurzarbeit, in einer Branche, die fast dem Untergang geweiht ist.

Anfang des Jahres sah alles noch super aus, es wäre das umsatzstärkste Jahr ever geworden. Doch dann kam der Februar, dann kam März und dann kam Corona. Seit Anfang April befinde ich mich in Kurzarbeit, ab Mai sogar 100%. Doch was macht man mit der neugewonnenen Zeit.

Wie man ja aus Medien weiß, bekommt man nur 60% Gehalt, das reicht gerade so für Miete, Auto und ein paar Versicherungen. Ich mach also gerade Miese, kann man so sagen. Aber was soll man machen.

Sonst ist man jeden Tag früh aufgestanden, jeden Tag mit der Bahn zu Arbeit hin und zurück gefahren, dicht gedrängt in der S-Bahn mit hunderten Anderen. Jeden Tag hat man sich früh einen Kaffee geholt, oder auch mal zwei. Doch nun fehlt all das. Stattdessen wacht man auf vom Baustellenlärm, versucht nochmal einzuschlafen … vergebens. Um 11 schlurft man dann aus dem Bett, macht sich billigen Filterkaffee, frühstückt und legt sich wieder hin. Schaut fern, oder so. Denn es gibt ja nicht zu tun. Raus durfte oder sollte man lange Zeit nicht, jetzt kann man und man will nicht.

Jeden Tag das Gleiche. Aufstehen, Essen, Fernsehen, Essen, Hinlegen, Fernsehen, Einschlafen. Wie muss es Arbeitslosen gehen, kann so ein Leben aussehen? Jeden Tag nur vor der Glotze hocken? Mir geht es ja jetzt schon nach 3 Monaten auf den Geist.

Und während Viele, einige schneller, andere langsamer, wieder arbeiten gehen dürfen, muss ich und viele Andere darauf warten, endlich wieder ihrer Leidenschaft nach zu gehen. Denn Veranstaltungen dürfen nur nach extremen Hygienemaßnahmen stattfinden. Wobei ich nicht verstehe, warum in einigen Restaurants oder Bars auf Abstand und Masken verzichtet wird, warum Flugzeuge mit 189 Passagieren fliegen dürfen, man sich selber aber an strenge Richtlinien halten MUSS.

Aber das ist ein ganz anderes Thema…